Der nördliche Kungsleden – von Saltoluokta bis Kvikkjok

Tag 6 – Von Saltoluokta bis Blockfels (24 km – davon 3 km Bootsfahrt)

Ein weiterer Tag auf dem wunderschönen Kungsleden beginnt. Mittlerweile ist Routine eingekehrt. Frühstücken, Zelt abbbauen, nicht duschen und weiter geht’s.

Heute läuft es sich angenehm. Es gibt kaum Höhenmeter zu überwinden und ich komme gut voran.

Nach 16 km erreiche ich die Sitojaurehütte. Direkt daneben wird von einer Familie der Bootstransfer nach Aktse organisiert. Natürlich zu schwedischen Preisen.

Theoretisch könnte man auch kostenlos die drei Kilometer selbst rudern aber das wurde mir mehrfach abgeraten aufgrund von schwieriger Orientierung und Strömung.

Ich setze also mit zwei weiteren Wanderpärchen per Motorboot über.

Ich bin schon relativ platt und hatte eigentlich vor mein Zelt direkt am anderen Ufer aufzuschlagen.
Aber als ich aus dem Boot steige, bekomme ich es zum ersten Mal auf dieser Wanderung mit Mückenschwärmen biblischen Ausmaßes zu tun.

Ich weiß überhaupt nicht, wie mir geschieht aber anhalten erscheint mir ausgeschlossen. Ich flüchte fluchend den Berg hinauf. Denn sobald man die Baumgrenze verlässt, nimmt das Mückenaufkommen ab.

Vier steile Kilometer später stelle ich mein Zelt neben einem schneebedeckten Hang auf und schaue hinab auf die Mückenwolken. What a day!

Heute ist die erste Nacht in der ich nicht ganz alleine bin. Kurz nach mir stellen auch zwei weitere Pärchen ihre Zelte in Sichtweite auf. Gefällt mir gar nicht. Ich hatte mich die letzten Tage schon so an die Einsamkeit gewöhnt.

Tag 7 – Von Blockfels bis Schutzhütte Jagge inkl. Abstecher zum Skierffe – (30 km – davon 3 km Bootsfahrt)

So habe ich am nächsten Morgen auch gar kein Bock auf Smalltalk als mir vor dem Zelt beim Zähneputzen ein spanisches Pärchen in die Arme läuft. Aber die sind mega nett. Sie laufen den Kungsleden in die andere Richtung und ich bin sehr dankbar, dass wir geredet haben. Denn ich hatte heute nicht geplant den relativ aufwendigen Umweg über den Skierrfe zu gehen.

Aber die beiden schwärmen davon und sagen mir, dass ich mir dieses Highlight auf gar keinen Fall entgehen lassen darf.  Und so kommt es, dass ich “nur” einige Stunden später auf diesem genialen Gipfel mit Blick auf das Rapadelta und Tjaktajaure stehe:

 

Das ist mit Sicherheit eine der besten Aussichten meines Lebens und ich hab schon ein paar schöne Ecke sehen dürfen.

Der Weg hat sich definitiv gelohnt auch wenn es doch etwas beschwerlich war. Beim Abzweig Skierffe, habe ich meinen Rucksack hinter einem Boulder versteckt und bin nur mit einer Wasserflasche, einem Riegel und meinen Wertsachen bewaffnet Richtung Gipfel gelaufen.

Der Zustand des Weges war vor allem am Anfang mehr als bescheiden. Ich musste mich durch Gestrüpp kämpfen, während die Mücken an mir gefrühstückt haben und bin einmal bis übers Knie in ein Schlammloch gesunken.

Hat man die Baum- und Gestrüppgrenze dann erstmal überwunden gibt es eigentlich gar keinen richtigen Weg mehr und man läuft nur noch über gigantische Geröllfelder. Nach circa 2,5 Stunden steht man dafür dann hier:

Richtung Westen kann man tief in den Sarek-Nationalpark hineinschauen, wo die erfahreneren Trekker und die Elche unterwegs sind. Für mich Anfänger geht es aber brav zurück auf den Kungsleden.

Glücklicherweise ist mein Rucksack noch an Ort und Stelle und schon bald erreiche ich die Aktse-Hütte.

Hier möchte ich im Shop meine Frühstücksnahrung aufstocken und bekomme von einer Hüttenmitarbeiterin Porridge geschenkt. Wie mir das geschmeckt hat, könnt ihr im Video unten sehen.

Das Wetter ist super aber aufgrund der Insektensituation ist eine echte Pause nur Indoor möglich.

Als ich die Tür zur Hüttenküche aufmache, treffe ich auf zwei bekannte Gesichter. Ein Pärchen aus Stockholm, das ich ein paar Tage zuvor kennengelernt hatte. Und wie es der Zufall will, hat der Mann heute Geburtstag. Seine bessere Hälfte hat in weiser Voraussicht ein paar Ingredienzien für einen Geburtstagsapple-Crumble eingesteckt. Während sie ihn zubereitet, stoßen noch zwei britische Wanderer dazu und so mutiert die Pause zu einer richtigen kleinen Party inkl.  Luftballon und Birthday-Boy Aufstecker.

Gemeinsam überqueren wie anschließend den See.

Am anderen Ufer verabschiede ich mich von meinen Weggefährten, die in der Schutzhütte übernachten und ziehe weiter.

Ich bin nach dem Umweg auf dem Skierffe schon komplett durch aber die unendliche Masse an Mücken in diesem vermaledeiten Sumpf treibt mich weiter in die Höhe.

Ab und an versuche ich inne zuhalten, um die Aussicht zu genießen aber wie ihr im Video unten sehen werdet, gelingt es mir nicht so richtig. Nach circa 27 km komme ich erschöpft an der Schutzhütte Jagge an. Ich habe null Bock mein Zelt aufzubauen und beschließe heute mal in der Hütte zu übernachten, die heiß und stickig ist. Nachdem ich zu Abend gegessen habe, kommt aus dem Süden ein spanisches Wanderpärchen, die ebenfalls in der Hütte übernachten wollen. Na toll.

Ich liege nur fünf Minuten in meinem Schlafsack, da setzen sich schon die ersten Mücken auf mein Gesicht. Fuck me sideways. So werde ich nie im Leben schlafen können. Obwohl es draußen mittlerweile in Strömen regnet, schnappe ich mir mein Zelt und baue es auf einer kleinen schrägen Freifläche vor der Hütte auf.

Als ich meine Zelttür zuziehe, kann ich endlich durchatmen. Die Luft ist angenehm frisch, der Regen prasselt meditativ aufs Dach und ich liege zufrieden in meinem mückenfreien Panikroom. JETZT kann ich schlafen!

Tag 8 – Schutzhütte Jagge bis Brücke Njáhkájahka (20 km)

Nach dem stressigen Tag gestern, erwache ich zu strahlendem Sonnenschein. Die Spanier sind schon aufgebrochen. Ich lasse mein Zelt in der Sonne trocknen und wasche und rasiere mich am Fluss.

Nach dem Frühstück wird der Rucksack geschultert und weiter geht’s

Zunächst noch in angenehmer Höhe mit toller Aussicht, doch leider geht es schon bald wieder bergab und in den Wald. Von weiten ist der Wald super schön aber wenn man erstmal drin ist, hat man nur noch sehr eingeschränkte Sicht, wird von Moskitos attackiert und stolpert über Wurzeln und Steine.

Mittags erreiche ich die Parte-Hütte, die idyllisch am See liegt. Die Sonne brennt und ich würde am liebsten eine Runde schwimmen aber es kommt nicht in Frage, dass ich auch nur einen Zentimeter Haut freilege. Ich würge mir stattdessen schnell etwas zu Essen runter, während ich wild vor meinem Gesicht rumfuchtele.

Mein Bio-Insektenspray bringt einfach gar nichts und ich bin wirklich am Verzweifeln.

Zwischendurch gibt es zur Entschädigung irre schöne Lichtblicke wie diese…

Ich hatte überlegt eventuell bis Kvikkjokk durchzuballern aber hinter dieser Holzbrücke entdecke ich einen ganz OK-en Schlafplatz und beschließe mein Zelt aufzubauen. Als ich gerade mit einem Stein einen Hering einschlagen will, fliegt mir eine Mücke genau ins Auge und ich haue mir stattdessen auf den Finger, dass das Blut nur so spritzt.

Ich laufe blutend und fluchend zum Fluss hinunter, um mir meine Wunde auszuwaschen und verziehe mich danach wütend in meinen Schlafsack. Das einzige, was mich bei Laune hält, ist das Wissen, dass ich morgen die Fjällstation von Kvikjokk erreichen werde. Dort werde ich mir Mückennetze und atomares Anti-Insektenspray holen und dann kann ich endlich den Rest der Wanderung wieder genießen. So! Gute Nacht!

Tag 9 – Brücke Njáhkájahka bis Kvikkjok (5 km)

In eifriger Vorfreude, packe ich meinen Kram zusammen und laufe strammen Schrittes Richtung Kvikkjok. Der Weg ist holprig und anstrengend zu gehen aber schon bald kann ich die Station sehen. Ich sprinte fast die letzten Meter, reiße die Tür auf und suche direkt nach dem Laden.

Aber statt eines geräumigen Shops hat die Station nur ein paar erbärmliche Regale mit Trekking-Food und anderen Kleinigkeiten. Ich scanne die Auslage nach Moskito-Spray aber nada. Ich gehe fassungslos jeden Artikel durch aber werde nicht fündig. Schließlich frage ich die Hüttenmitarbeiterin und sie sagt nur: sorry, SOLD OUT! Neeeeein.

Scheinbar ist ist gerade Mücken-Schlüpfzeit und die Wanderer haben den Laden leer gekauft. Das ist wirklich ein herber Schlag für meine Moral. Vor allem weil ich den nächsten Laden erst in ein paar Tagen erreiche und bis dahin geht es nur durch den Wald.

Als kleinen Trost, kaufe ich mir einen zu teuren und zu großen Moskito-Hut. Mal sehen wie es sich damit läuft. Dämlich aussehen tut er schon mal  

Unterwegs habe ich immer mal wieder kleine Filmchen gedreht, die ich nach meiner Tour auf Instagram gepostet habe. Hier habe ich mal ein paar “Highlights” zusammengestellt. Mehr dann im nächsten Beitrag. Enjoy!

Fazit

Im Vergleich zur ersten Woche, wird es schon deutlich ungemütlicher. Der Mückenterror macht mir extrem zu schaffen. Ausgedehnte Lesepausen auf der Isomatte sind auf diesem Abschnitt undenkbar. Entspannt Pause kann ich eigentlich nur im Zelt machen. Und so kommt es, dass ich mehr und schneller laufe und kaum noch  pausiere. Das macht diesen Abschnitt wesentlich anstrengender. 

Wahrscheinlich ist genau aus diesem Grund der erste Teil der beliebteste. Ein paar Wanderer haben mir außerdem erzählt, dass die meisten Schweden im Sommer maximal bis Kvikkjok laufen und sich die anderen Abschnitte für den Herbst aufsparen, wenn dort nicht mehr so viele Insekten unterwegs sind.  

Trotzdem ist die Natur weiterhin unbeschreiblich schön. Vor allem der Skierffe ist ein absoluter Höhepunkt, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. 

Den populärsten Teil habe nun hinter mir, jetzt wird es wild. Ich bin gespannt, was mich erwartet. 

Falls ihr noch Fragen zum Kungsleden habt, könnt ihr mir gerne auf IG oder per Mail schreiben.

Unterwegs auf dem nördlichen Kungsleden

Teil 1 – Organisation, Kosten  Vorbereitung
Teil 2 – Die ultimative Packliste
Teil 3 – Von Abisko bis Vakkotavare
Teil 4 – Von Saltoluokta bis Kvikkjokk
Teil 5 – Von Kvikkjokk bis Jäkkvik
Teil 6 – Von Jäkkvik bis Ammarnäs
Teil 7 – Von Ammarnäs nach Hemavan

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