Traumpfad München nach Venedig – Organisation, Kosten, Vorbereitung

München – Venedig

Der Traumpfad München–Venedig ist ein Fernwanderweg.

Gründer, Erfinder und „Vater“ des Weges ist Ludwig Graßler, der seine Erstbewanderung in dem 1977 veröffentlichten Buch „Zu Fuß über die Alpen“  beschrieben hat.

Der Weg führt vom Marienplatz in München über die Bayerischen Voralpen und das Karwendel ins Inntal.

Von dort wandert man in die Tuxer Alpen, überquert den Alpenhauptkamm und setzt den Weg über das Pfunderertal und die Lüsner Alm in die Dolomiten fort.

Nach der Überquerung der Puezgruppe, der Sella und der Südlichen Dolomiten endet der alpine Teil des Weges in Belluno.

Ähnlich wie an der Alpennordseite folgen nun Wandertage durch die Belluneser Voralpen und durch das Flachland, bis man schließlich nach etwa 29 Wandertagen den Markusplatz in Venedig erreicht.

Je nachdem, wie man sich die Strecke zusammenlegt, werden etwa 550 bis 600 km Strecke und 20 000 Höhenmeter zurückgelegt.

Nach einer Idee von Graßler, treffen sich jedes Jahr am 8. August um 8 Uhr Wanderer auf dem Marienplatz um gemeinsam Richtung Venedig aufzubrechen. 

Alleine oder mit Partner?

Aus Sicherheitsgründen ist es natürlich immer wünschenswert in den Bergen mit Partner zu wandern.
Für ein solches Unterfangen müsste ein potentieller Wanderfreund jedoch einige Voraussetzungen erfüllen.

– Er / Sie muss mindestens vier Wochen Zeit haben
– Er / Sie sollte auf einem ähnlichen Fitnesslevel sein (damit meine ich möglichst fit)
– Er / Sie sollte auch bei widrigen Bedingungen (wie u.a. schlechtem Wetter, Schmerzen, Krankheit) eine positive Einstellung behalten
– Er / Sie sollte selbst möglichst viel Lust auf dieses Abenteuer haben

Bei mir ist die Suche nach einer geeigneten Begleitung hauptsächlich am ersten Punkt gescheitert.

Aber hier kommt die gute Nachricht. Wer alleine loszieht, muss nicht lange alleine bleiben, es sei denn, man möchte es unbedingt.

Ich bin eher der introvertierte Typ, der nicht so schnell Bekanntschaften macht aber selbst ich konnte mich kaum dagegen wehren, nette Leute kennen zulernen.

Schon am zweiten Tag habe ich Bekanntschaft mit ein paar Bergvagabunden gemacht, mit denen ich am Ende sogar in Venedig angekommen bin, auch wenn wir nicht immer die gleiche Strecke gegangen sind.

Im Endeffekt finde ich es sogar fast besser alleine zu wandern. Da man je nach Laune mit verschiedenen Menschen oder allein gehen kann und sich Niemandem verpflichtet fühlen muss.

Für Paare ist dieser Weg eine besondere Herausforderung. Entweder man ist am Ende ein Herz und eine Seele oder man geht in Zukunft getrennte Wege.

Organisation

Meine komplette Organisation bestand darin, mir einen Wanderführer zu kaufen. Und bis zu meinem ersten Wandertag hatte ich nicht eine Seite darin gelesen.
Der Weg ist relativ bekannt und gut ausgeschildert. Die Infrastruktur ist gut.
Alles, was man im Vorfeld machen muss, ist seine An- und eventuell Abreise zu planen und seinen Rucksack zu packen (Packliste folgt in Kürze). Fertig!

Ich habe keine einzige Unterkunft vorgebucht, war aber auch alleine unterwegs und habe auch mal im Notlager schlafen müssen.
Einmal wurde ich von Mitwanderern in Wolfratshausen im Hotelzimmer aufgenommen, weil der gesamte Ort aufgrund eines Festivals ausgebucht war.

Die Hütten waren in der Regel recht voll. Je nach Starttag kann es zu Engpässen kommen. Wenn man zu zweit unterwegs ist, macht es also Sinn, immer für die kommenden Nächte vorzubuchen.

Aber da das Wetter und die eigene Gesundheit unberechenbar sind, würde ich nicht zu weit in die Zukunft planen.

Welcher Wanderführer?

Ich hatte nur den Rother Wanderführer München – Venedig. Mit GPS-Tracks*. Darin wird der Weg in 29 Etappen beschrieben. Der ist recht gut. Allerdings werden in drei Etappen alternative Fortbewegungsmittel (Seilbahn und Bus) empfohlen.
Wer den Weg (wie ich) komplett zu Fuß gehen möchte, sollte Alternativrouten planen. Oder gleich zum
Bruckmann Wanderführer Traumpfad: von München bis Venedig* greifen, der nur 28 Etappen hat und auf Bus und Seilbahn komplett verzichtet. Allerdings lassen die Wegbeschreibungen hier oft zu wünschen übrig.

Meine Empfehlung ist es allein schon aus Gewichtsgründen nur einen der beiden Führer zu verwenden (der Rother Führer ist kleiner und leichter). Auf den Hütten hat man dann genug Zeit im Gespräch mit Mitwanderern Alternativ-Routen zu planen. Ich habe mir relevante Stellen, dann einfach bei den anderen mit dem Handy abfotografiert.

Die letzten fünf Tage von Belluno nach Venedig haben wir eigentlich fast nur noch die App Komoot benutzt. Bergfex soll auch gut sein (die habe ich aber noch nicht ausprobiert).

Wie gesagt, ich war extrem schlecht vorbereitet und bin am Ende trotzdem irgendwie in Venedig angekommen. So schwer kann es also nicht sein.
Ich geb zu ich hab mich hier und da auch mal etwas verlaufen aber so ging es den meisten.

Kosten

Das ganze Abenteuer ist gar nicht so günstig wie man annehmen könnte. Man sollte definitiv mit circa 50 Eur pro Tag planen. Wenn man im Alpenverein ist spart man zwar Geld bei den Übernachtungen aber das wird von den Hüttenwirten meist beim Essen (und saufen) wieder reingeholt.
In manchen Orten gibt es zudem Schlafplatzmangel, so dass es vorkommen kann, dass man in einer teureren Unterkunft nächtigen muss. 

Bei 29 Tagen ist man dann ohne An- und Abreise bei 1450 EUR. Möchte man zusätzliche Tage in Venedig einplanen wird es nochmal teurer. Klar, kann man das ganze mit Eigenverpflegung günstiger gestalten aber wenn man schon so etwas Anstrengendes macht, dann möchte man sich nach einem harten Wandertag auch mal was gönnen, oder?

Oder man macht es gleich mit dem Zelt, was ich persönlich bei der Infrastruktur nicht so sinnig finde. Aber das muss jeder selbst entscheiden. 

Vorbereitung

Wenn man (wie ich) vom flachen Land kommt, dann kann man sich nicht wirklich körperlich vorbereiten. Eine sportliche Grundfitness, eingelaufene Schuhe und eine positive Grundeinstellung sollte man aber definitiv haben, damit die Tour nicht zur Tortur wird.  

Klettersteig Schiara

Um den Schwierigkeitsgrad des Schiara Klettersteigs kursieren die wildesten Gerüchte. Hier kann ich Entwarnung geben. Ich bin noch nie in meinem Leben einen Klettersteig gegangen und habe auch keinen Klettersteigkurs gemacht. Und es war überhaupt kein Problem.
Der ganze Klettersteig geht (bis auf das kurze erste Stück) nur bergab und endet am wunderschönen Rifugio 7° Alpini.

Wer es bis zur 22. Etappe geschafft hat, der meistert auch diesen Klettersteig locker (mit einem Finger in der Nase). Es gibt eine oder zwei Stellen, wo es mal am Abgrund entlang geht aber man fühlt sich zu jeder Zeit sicher.

Das Material für den Klettersteig kann man sich bei einem sehr netten Hüttenwirt im Rifugio San Sebastiano ausleihen (20. Etappe) und dann ein paar Tage später im superschönen Agriturismo Le Noci wieder abgeben. So braucht man kein eigenes Material mitzuschleppen.

Fazit

Der Fernwanderweg München-Venedig ist ein ganz großes Abenteuer. Irre schöne Natur, gutes Essen, tolle Bekanntschaften und am Ende das unbezahlbare Gefühl jeden Meter vom Marienplatz zum Markusplatz gelaufen zu sein. 
Orientierung, Versorgung und Übernachtungen sind kein Problem aber wer meint der Traumpfad sei ein sommerlicher Spaziergang, der wird schon nach den ersten zwei Tagen eines Besseren belehrt.  Auf welche Strapazen ihr euch freuen dürft, könnt ihr dann in Bälde in meinem Reisebericht lesen. 

Fortsetzung folgt.

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2 Kommentare

  • Michaela sagt:

    haha, wie geil!
    Ich bin gerade den Camino del Norte gegangen (alleine) und meine Reisevorbereitung war genau wie Deine -> paar Tage vorher Reiseführer kaufen und nicht lesen ^^
    Man lernt tatsächlich – wie fast immer auf Alleinreisen – super schnell Leute kennen.

    Cooler Post!

    • Fabian sagt:

      Cooooool!! Klingt auch super geil. Wie lange hast du dafür gebraucht? Ich hab halt immer nur maximal vier Wochen Zeit. Und wie war es? Auch so anstrengend? Und welchen hike planst du als nächstes?

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