Wild & Schön. 7 Gründe nach Neapel zu reisen

Ich geb es zu,  die Assoziationen, die mir vor meiner spontanen Reise zu Neapel eingefallen sind, reduzierten sich auf  Müll, Mafia und Hitze.

Ursprünglich wollte ich nach Tel Aviv. Neapel war der Plan B  und dementsprechend ahnungslos bin ich in die drittgrößte Stadt Italiens gereist.

Der erste Eindruck war dann auch reichlich überwältigend. Lautes und Buntes Treiben, enge Gassen, viele Menschen, Kamikaze-Mofas. Aber sobald man sich auf den Rhythmus der Stadt einlässt, eröffnet sich einem eine faszinierende Welt. 

Was für eine positive Überraschung. Die Straßen waren sauber, die Schießereien hielten sich in Grenzen und die Sonne schien angenehm mild (im Frühling).

Schon bald hab ich gemerkt, dass es 1001 Gründe gibt nach Neapel zu reisen, aber ich hab ja auch noch andere Sachen zu tun, also beschränke ich auf magische sieben.

1. Die Pizza

Die Pizza ist eigentlich Grund genug, sich in den nächsten Flieger zu setzen. Immerhin ist Neapel, die Geburtsstadt der beliebten Rundspeise. Für mich ist die Reise deswegen quasi eine Pilgerfahrt gewesen.

Und günstig ist sie dazu! Für 2,50 € bekommt man eine zusammengeklappte Pizza auf die Hand, die zum Niederknien gut schmeckt.

Im Restaurant geht es ab 4 € los.

Leider habe ich vergessen ein schönes Foto zu machen.

Und weil in Napoli sämtliche Lebensmittel auch frittiert serviert werden, gibt es natürlich auch frittierte Pizza.

Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und ich muss sagen: gar nicht mal so gut! Da bleib ich lieber bei der traditionellen Variante.

Was man sich aber nicht entgehen lassen sollte, ist Fritto Napoletano: Frittierte Leckereien wie Meeresfrüchte, Gemüse, Mozzarella usw. Das bekommt man in einer Tüte serviert mit einem Holzstäbchen zum auflesen. Geiles Zeug!

Auf eure To-Eat-Liste sollten auch Süßspeisen wie die lokale Sfogliatella, ein Blätterteigküchlein mit Ricottafüllung und natürlich Eis!

Runterspülen kann man das Ganze dann mit einem der Dutzend verschiedenen Kaffee-Sorten.

Streetart und regular Art

Wie in jeder größeren Stadt findet man auch in Napoli die ein oder andere Wandverzierung.

In diversen Museen, lassen sich zudem reguläre Kunstschätze für alle Geschmäcker bestaunen.

Das prominenteste ist das Museo Archeologico Nazionale di Napoli. Den Grundstock bilden die Funde aus den beiden Großgrabungen in Herkulaneum und in Pompeji.




Ein beeindruckendes Pompeji-Model aus Kork. Human for scale.

Die Aussicht

Herausragende Sicht auf den Golf von Neapel hat man z.B. vom Castel Sant’Elmo aus. Mit der Funicula kann man bequem den Berg hinauf fahren und dann von dort hinunter in die Stadt spazieren.

Sicht auf die Castel Nuovo, die Einkaufspassage  Galleria Umberto I und das Real Teatro di San Carlo, das ältestete dauerhaft bespielte Opernhaus der Welt.

Deutlich mit dem grünen Dach sichtbar, die gigantische Santa Chiara Kirche.

Die Architektur

Die Altstadt (centro storico) von Neapel gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und das zu recht.
Irre, wie hier über Jahrhunderte alles übereinander gebaut wurde zu einem völlig chaotischen fast schon organischem urbanem Monstrum, das aber auf seine Art wunderbar funktioniert.

Das beste was man in Neapel machen kann, ist einfach durch die kleinen Gassen zu schlendern. Überall gibt es sehenswerte Gebäude und man bekommt einen tollen Einblick in das Leben der Anderen.

Wer zeichnen kann, hat hier viel zu tun, muss aber damit rechnen von kunstinteressierten Schulklassen überfallen zu werden.

Die Umgebung

Neapel an sich ist schon Grund genug in die Region zu reisen aber wenn man schon mal da ist,stehen einem gleich noch eine ganze Menge anderer Sehnsuchtsorte zu Verfügung. Alle bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Dazu gehört natürlich der Vesuv.

Die Inseln Capri, Ischia und Procida. 

Sowie Pompejii und Herculaneum und natürlich die Amalfi-Küste, zu der wir es dieses Mal leider nicht geschafft haben.

Die Kirchen

Neapel hat die höchste Kirchendichte der Welt!

Das kommt wohl davon, wenn man neben einem aktiven Vulkan wohnt.

An jeder zweiten Ecke steht ein gigantisches Gotteshaus. Nicht selten auch eins neben dem anderen.

Besonders beeindruckend fand ich die Chiesa del Gesù Nuovo (oder Trinità Maggiore) mit ihrer ungewöhnlichen Fassade.
Hinter den Symbolen verbirgt sich ein Pentagramm, das sich in Musiknoten übersetzen lässt und eine sakrale Komposition ergibt.

Als wären die Kirchen noch nicht genug,  gibt es fast an jedem Haus auch kleine Schreine. Doppelt hält besser!

Das war unsere airbnb Haus-Madonna. 

Der Lifestyle

Wie ein Damokles-Schwert thront  über Napoli der aktive Vulkan Vesuvio. Eine tägliche Erinnerung an die Einwohner, dass jeder Tag ihr letzter sein könnte.

Doch statt Trübsal zu blasen oder in permanenter Angst zu leben, gönnen sich die Neapolitaner heute, denn morgen könnte schon alles vorbei sein.
Und mit Sonne, Meer und Pizza ist das gar nicht so schwer!

Hier unser Airbnb-Host Michelangelo, der wie sein Namensvetter auch Maler ist. Und was für einer!

Unsere Unterkunft direkt an der Piazza Dante. 

Die Sportmöglichkeiten in der dichtbesiedelten Altstadt sind sehr begrenzt, so dass die Jugend gerne auf öffentlichen Plätzen oder vor Kirchen Fußball spielt. 

Die Unterwelt

Im Frühling waren die Temperaturen in der Stadt sehr angenehm aber ich schätze im Sommer freut man sich der Hitze mit einem Besuch in die neapolitanische Unterwelt zu entfliehen. 

Die Stadt unter der Stadt wurde für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt. Als Wasserspeicher, Luftschutzbunker, Abfallhalde und mehr. 

Wer Platzangst hat, kann (die spaßigsten) Teile der Tour auslassen. 

Die Luftfeuchtigkeit da unten ist so hoch, dass hier Basilikum wächst, ohne gegossen zu werden. Der wird dann direkt von der Pizzeria oben drüber verwendet.

Tipps

Ahnungslos wie ich nach Neapel gereist bin,  wäre es vermessen hier Geheimtipps zu geben, aber was mir persönlich geholfen hat, mich besser durch das Chaos zu navigieren, war der Besuch einer Free Walking Tour.
Das habe ich direkt am ersten Tag gemacht und konnte mich danach wesentlich besser durch das überwältigende Gassengeflecht der Altstadt bewegen. 

Wenn man dann erst einmal die Hauptachsen kennt,  sollte man sich davon ausgehend in den Nebenstraßen verlieren.Die sind angenehm leer und mit dem Meer einerseits und den Hügeln anderseits, kann man nicht all zuviel falsch machen.   

Na dann, viel Spaß in Napoli, eine Stadt für alle Sinne!

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