Ninety Percent of Everything – Rose George

awesomatik auf Buchfühlung

Ninety Percent of Everything – Inside shipping, the invisible industry that puts clothes on your back, gas in your car, and food on your plate – Rose George

In unserer globalisierten Welt kommt so gut wie alles aus dem Container. 

Der Computer auf dem ich diese Zeilen schreibe, die Banane, die ich zum Frühstück gegessen habe und die Kleidung, die ich heute trage, kamen alle per Schiff um die Welt (wie ich schon mal hier berichtete). 

Und doch gehört die Schifffahrtsindustrie zu den verschwiegensten Wirtschaftszweigen auf der ganzen Welt.

Umso spannender mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

In Ninety Percent of Everything fährt die Autorin Rose George als Passagierin an Bord des Container Schiffs Maersk Kendal von England nach Singapur.

Trotz der gigantischen Schiffsgröße besteht die Crew nur aus 21 Personen. Hauptsächlich philippinischer Herkunft. Filipinos stellen mittlerweile die Mehrheit aller Seeleute weltweit, weil sie „günstig sind und gut englisch sprechen“.

Von der ehemals großen britischen und amerikanischen Handelsmarine ist nichts mehr übrig. Die meisten Schiffe fahren nun unter der Flagge der Länder, die das lockerste Arbeitsrecht haben.

So ist es für Seefahrer fast unmöglich im Problemfall ihr Recht durchzusetzen. Zum Beispiel für  einen Seemann aus Manila, der auf einem amerikanischen Schiff arbeitet, das in internationalen Gewässern unter panamaischer Flagge fährt und einen zypriotischen Manager hat.

Das ist nur einer von unzähligen interessanten Fakten, die man im ersten Teil des Buches erfährt. Außerdem spannend fand ich,

  • dass Containertransporte mittlerweile so günstig sind, dass schottischer Kabeljau nur zum Filetieren nach China gebracht wird, weil es dann immer noch günstiger ist, als es vor Ort zu machen.
  • dass Fairtrade Kaffee nicht bedeutet, dass die Menschen, die den Kaffee nach Europa bringen, fair bezahlt wurden
  • Dass weniger Treibhausgase produziert werden um einen Container von Shanghai nach LeHavre zu bringen als von dort mit dem Laster nach Lyon
  • Dass 2000 Seeleute im Jahr sterben und zwei Schiffe pro Woche verloren gehen. Ein Umstand, der in der Luftfahrt einen Aufschrei auslösen würde in der Schifffahrt aber nur zur Kenntnis genommen wird. 

Da auf der Überfahrt von England nach Singapur scheinbar nicht viel passiert, beleuchtet die Autorin die Entwicklung der Handelsmarine aus verschiedenen Blickwinkeln.

Ein längerer Abschnitt befasst sich mit somalischen Piraten und dem Kampf gegen diese.

Ein anderer Teil behandelt die Auswirkung der Schifffahrt auf die Meeresbewohner (insbesondere auf die Wale).

Weitere Kapitel drehen sich um die Einsamkeit und sozialen Probleme der Seeleute und um Schiffsunglücke.

Zwar erfährt man auch hier interessante Aspekte der Seefahrerei. Mit dem Titel hat dies aber nicht mehr viel zu tun.

Gerne hätte ich mehr über die eigentliche Fahrt, die Crew und die Abläufe auf dem Schiff gelesen.

Aber Rose George geht es eher darum die untragbaren Bedingungen der modernen Handelsmarine ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, damit Seeleute irgendwann die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

Fazit – Unser Leben aus der Box

So langweilig die Fahrt auf einem Containerschiff auch sein mag, so spannend sind die Einblicke hinter die Kulissen der verschwiegenen Containerindustrie.

Auch wenn die Vermischung von Reisebericht und Recherche an einigen Stellen nicht aufgeht und Rose George dem Leser nur teilweise gibt, was der Titel ihres Buches verspricht, so bleibt Ninety Percent of Everything eine aufschlussreiche Abhandlung.

Eins ist klar: wer bisher eine Karriere bei der Handelsmarine in Erwägung gezogen hat, wird sich nach der Lektüre wohl eher an Land nach Jobs umschauen.

Meine Anerkennung für Seeleute ist jedenfalls immens gestiegen und ich hoffe, dass Bücher wie dieses dazu beitragen, dass sich die Arbeitssituation für all die einsamen Seelen da draußen verbessern wird.

Es sieht allerdings nicht danach aus. Mittlerweile werden nämlich Containerschiffe entwickelt, die ganz ohne Crew auskommen sollen.

Wertung 3/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

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Wer sich die Lektüre sparen möchte, schaut sich einfach den sehenswerten Ted Talk der Autorin an:

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