Alpenüberquerung Salzburg – Triest – Von Rauris bis Tarvisio

Etappen 9 bis 17

Etappe 9 Rauris – Schutzhaus Neubau (25,2 km ↑1410 ↓180)

Die Salzburger Schieferalpen liegen hinter mir, jetzt gilt es die Goldberggruppe im Nationalpark Hohe Tauern zu überwinden. Nachdem ich in den letzten Tagen fast optimales Wanderwetter genießen durfte, schüttet es am Morgen aus allen Rohren.


So habe ich meine Regenklamotten wenigstens nicht umsonst mitgeschleppt. Den halben Vormittag prasselt es mir auf die Kapuze, dann klart der Himmel dankenswerterweise auf.

Als ich mich gerade an einer Wegsperrung umorientiere, taucht hinter mir Klaus auf, der bislang einzige Alpenüberquerer, den ich noch auf der Strecke kenne. Ein anderes Paar musste schon, trotz intensiver Vorbereitung auf die Tour, verletzungsbedingt nach der dritten Etappe abbrechen.

Ich freue mich über die Begleitung. Klaus ist Marathonläufer und hat auch schon diverse Alpenüberquerungen auf dem Buckel u.a. auch den Traumpfad München – Venedig. Wir haben also reichlich Gesprächsstoff für die nächsten Kilometer.

Später geht es an einem Original Goldwaschplatz vorbei. Hier kann man sich gegen Gebühr als Goldsucher versuchen.

Im letzten Drittel der Etappe öffnet sich der Blick auf die spektakuläre Goldberggruppe. Ich bin so geblendet von der Schönheit der Wasserfälle, dass ich vom Weg abkomme. Ich dachte, dass mich der Schwenk zu den Fällen wieder auf meine Route zurückführen würde aber nachdem mich der Trail immer steiler den Berg hinaufführt und schließlich einfach unter meinen Füßen verschwindet, muss ich mir eingestehen, dass ich umkehren muss.

Dabei kann ich die Hütte schon sehen. Sie ist nur einen Steinwurf von mir entfernt aber durch eine klaffende Schlucht von mir getrennt.

Das bedeutet ich muss den gesamten Berg wieder hinunter laufen und auf der anderen Seite steil wieder hinauf. So ätzend!!! Als ich genervt den Rückweg antrete, stehen im Tal schon wieder Kühe auf den Weg! Und dieses Mal wollen sie mich auch nicht vorbeilassen und scharren aggressiv mit den Hufen. Ich muss abseits vom Weg durch das Gebüsch klettern und schlag mir dabei auch noch das Schienbein auf.

Ich bin richtig bedient, als ich gegen 18 Uhr im Nieselregen als einer der letzten Wanderer die Hütte erreiche. Klaus ist völlig verwundert. Ich hatte ihn zuvor hinter mir gelassen und er dachte, ich sei längst auf der Hütte, wenn er käme. Stattdessen tauche ich zwei Stunden nach ihm auf!
Naja, wenigstens komme ich pünktlich zum Abendessen und die Hütte ist auch sehr schön und hat sogar Trennwände im Matrazenlager. Ich werde auf jeden Fall gut schlafen heute.

Etappe 10 Schutzhaus Neubau – Fragranter Schutzhaus (17,6 km ↑1080 ↓1450)

Nach den Strapazen des Vortags, beginnt der Morgen versöhnlich. Aber auch steil. Auf den Resten der Bremsbahn geht es hinauf zur Fraganter Scharte (2754 m). Hier erreiche ich den höchsten Punkt der Alpenüberquerung. Wem das noch nicht genug ist, der kann eine Variante zur Herzog-Ernst-Spitze (2933 m) gehen oder gar die 3000er Marke knacken mit der Variante über das Schareck (3123 m).

Ich bin genügsam und steige stattdessen wieder hinab zum Weißsee. Die Rückseite des Berges bietet leider eine durch Umweltzerstörung dystopisch anmutende Szenerie (Stichwort: Skigebiet).

Nachdem ich den Stausee passiert habe wird das Panorama mit dem Schwarzsee und kleineren Tümpeln wieder ansehnlicher.

Dann wird es nochmal steil und kraxelig. Aufgrund von Steinschlaggefahr, sollte man den Anstieg zum wilden Ochsentrieb (2651 m) schnell hinter sich bringen. Hier gilt es auch die ein oder andere ausgesetztere Stelle zu überwinden.

Auf der Rückseite erwartet einen dann aber eine friedliche Weidenlandschaft. Dennoch zieht sich es sich ein wenig. Nach 1450 Höhenmetern Abstieg, bin ich froh endlich das Fragranter Schutzhaus zu erblicken (vor allem, da man zunächst an einer anderen Hütte vorbeikommt.)

Das Personal ist so mittel nett und den Schlafsaal teile ich mir leider mit einer Gruppe laut schnarchender Männer.

Etappe 11 Fragranter Schutzhaus Neubau – Stall (18,8 km ↑1050 ↓1990)

Ein malerischer Morgen beginnt. Die Etappe vom Vortag sitzt mir aber noch in den Knochen. Deswegen entscheide ich mich für die flotte Schlechtwetter-Variante nach Stall.

Diese führt mich zunächst relativ entspannt auf schönen Waldwegen bis zur Goldberghütte während zarte Sonnenstrahlen meine Haut wärmen. 

Der Abstieg nach Stall erfolgt größtenteils auf dem Alpe-Adra Trail. Dieser ist hier streckenweise in katastrophalem Zustand (zugewachsen, umgestürzte Bäume). Ich erreiche dennoch unbeschadet Stall. Wo ich leider zunächst keine Unterkunft finde und schon befürchte die Nacht im Freien verbringen zu müssen. Nach einigen erfolglosen Telefonaten finde ich doch noch eine Unterkunft im Nebenort.
Zum Glück, denn am Abend setzt ein gewaltiges Gewitter ein. Beim Abendessen gehen auf einmal Sirenen im gesamten Tal los. Am nächsten Morgen erfahre ich, dass ein Felsrutsch ein Auto unter sich begraben hat und mehrere Häuser beschädigt wurden.

Etappe 12 Stall – Feldner Hütte (16 km ↑1670 ↓350)

Unter normalen Umständen ginge es heute eigentlich auf die Hugo-Gerbers-Hütte. Die höchstgelegene Übernachtung der Tour. Bei schlechtem Wetter bietet sich die kürzere Variante über die Feldnerhütte an. Angesichts des nächtlichen Unwetters entscheide ich mich für Letztere.
Der morgendliche Nieselregen und die damit einhergehenden kühleren Temperaturen, kommen mir nicht unrecht, denn ich habe heute einige Höhenmeter zu überwinden. 

Im letzten Drittel der Etappe verlaufe ich mich mal wieder kurz. Erst kraxel ich einen viel zu steilen “Weg” hoch, der im Nirgendwo endet. Dann fällt noch mein GPS-Signal aus. Aber nach genauem Studium der Landschaft finde ich einen schmalen Pfad, der mich wieder auf Kurs bringt.  

Bald erreiche ich eine Miniatursiedlung, die aussieht als wäre die Zeit stehen geblieben. Umringt von ein paar Schafen, gönne ich mir hier eine kleine Pause. Zur Feldnerhütte ist es nun nicht mehr weit. 

Nur noch das Glenktörl (2457m) passieren und schon bin ich da. 

Wer seine Ruhe will ist auf der Feldnerhütte genau richtig. Sie liegt in einem Felskessel fern von sichtbarer Zivilisation. Und wer betreibt die Hütte? Ein Berliner!

Etappe 13 Feldner Hütte – Greifenburg (16 km ↑460 ↓2000)

Nach einer ruhigen Nacht, möchte ich heute einen frühen Start hinlegen. Das Wetter sieht alles andere als gut aus. 

Zügig schreite ich voran und lasse schnell die preisgekrönten Kühe der Feldnerhütte hinter mir. Der erste Abschnitt führt teilweise ausgesetzt über steile Felsstufen und schmale Tritte. 

Der leichte Regen trommelt  konstant auf meine Kapuze und ich stapfe hochkonzentriert voran, da der Weg streckenweise sehr rutschig ist. 
Irgendwo am Lackentörl (2368 m) verlaufe ich mich dann im Nebel. Die Sicht ist mittlerweile so schlecht wie das Wetter und ich habe ein ungutes Gefühl als ich absteige. Es gibt keine Markierungen mehr. Ich weiß aber nicht wohin ich sonst gehen sollte und folge weiter einem Pfad hinab, um 35 Minuten später festzustellen, dass ich im Kreis gelaufen bin. So ärgerlich!

Am Ende find ich nach langer Suche doch noch den richtigen Weg. Er war hinter einem Zaun versteckt! Das Wetter ist jetzt richtig bescheiden bei gleichzeitig schlechter werdendem Pfad.

Im Nebel muss ich über ein glattes Geröllfeld navigieren. Aber es läuft sich trotzdem wesentlich angenehmer, wissend, dass man auf dem richtigen “Weg” ist! 

Als ich das Felslabyrinth hinter mir lasse, klart der Himmel endlich etwas auf. Jetzt muss ich nur noch 2000 Höhenmeter absteigen. 

Bedient aber zufrieden erreiche ich am frühen Nachmittag Greifenburg. Der Weg endet an einem Supermarkt, wo ich mir erstmal den ein oder anderen Snack gönne. Dann heißt es Klamotten trocknen und Füße hochlegen. 

Etappe 14 Greifenburg – Hermagor (26,3 km ↑650 ↓1690)

Nach den gestrigen Strapazen, freue ich mich auf eine vergleichsweise lange aber relativ flache Etappe durch die Gailtaler Alpen.  

Der Tag verläuft ereignisarm aber dafür herrlich blumig.  

Etappe 16  Hermagor – Rifugio Nordio-Deffar (26,3 km ↑650 ↓1690)

Heute zeigen erstmals die julischen Alpen ihre Zacken in der Ferne. Doch bevor es nach Slowenien geht, folgt zunächst ein kurzer Abstecher nach Italien. 

Gestartet wird in Österreich. Die Wolken hängen tief aber es bleibt zum Glück trocken. Mit jedem Höhenmeter wird das Wetter besser. 

Nach einem waldigen Spaziergang erreiche ich die Dolinza-Alm und kurze Zeit später die Landesgrenze. 

Auf italienischem Boden kommen mir zwei Mädels entgegen. Als wir uns im vorbeigehen grüßen, stelle ich fest, dass ich die beiden vor 10 Etappen im Statzerhaus kenngelernt hatte! Warum kommen sie mir jetzt entgegen?? Ein kurzes Gespräch bringt schnell Aufklärung. Eine der beiden war zwischenzeitlich krank und sie mussten ihre Tour spontan umplanen und sind einen Abschnitt mit dem Zug gefahren, daher der Vorsprung.

Bald nach diesem heiteren Intermezzo erreiche ich die Hütte und freue mich auf ein italienisches Abendessen.  

Etappe 17 Rifugio Nordio-Deffar – Tarvisio (14,1 km ↑460 ↓1120)

Heute ist erneut grenzhopping angesagt. Aus Italien geht es für ein paar Kilometer zurück nach Österreich, bevor die Etappe in Italien ihr Ende findet. 

Die Natur schert sich zum Glück nicht um Grenzen. Sie ist überall schön. Und so laufe ich glücklich durch das traumhafte Panorama beider Länder, während am Horizont die julischen Alpen in Slowenien einen beeindruckenden Hintergrund bilden. Drei Länder in einem Rundblick!

Doch die Ruhe findet ein jähes Ende als ich gegen Mittag Tarvisio erreiche. Ich hatte noch nie von dieser Stadt gehört aber hier ist die Hölle los. Touristenmassen schieben sich durch den kleinen Ort, der scheinbar ein Verkehrsknotenpunkt der Region ist. In der drückenden Hitze suche ich eine Stunde nach einer Unterkunft aber die gesamte Stadt ist ausgebucht. Am Ende bin ich gezwungen ein teures Hotelzimmer zu beziehen. Hinzukommt, dass das Personal extrem unfreundlich ist. 
Naja, wenigstens meine Zimmernachbarn haben Spaß. Bis tief in die Nacht wird laut und leidenschaftlich Geschlechtsverkehr betrieben. Gute Nacht! 

Fazit 

Bis auf die unerfreuliche Ankunft in Tarvisio, hat der zweite Abschnitt der Alpenüberquerung zahlreiche landschaftliche Highlights zu bieten. Jetzt trennen mich nur noch die beeindruckenden Julischen Alpen vom Mittelmeer. Ich freue mich drauf!

Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest

Teil 1 – Kosten, Organisation, Vorbereitung
Teil 2 – Die ultimative Packliste
Teil 3 – Von Salzburg bis Rauris
Teil 4 – Von Rauris bis Tarvisio
Teil 5 – Von Tarvisio bis Triest

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